40 Jahre Stadtteilprojekt

1. Das Wohngebiet Sonnenland in Hamburg – Billstedt im Überblick

Das Sonnenland ist ein Quartier des sozialen Wohnungsbaus mit dem Charakter eines sozialen Brennpunktes. Erbaut wurde es in den Jahren 1962 – 65 mit allen klassischen Mängeln der infrastrukturellen Versorgung. Von Anfang an benötigte man zum Einzug ausnahmslos einen Dringlichkeitsschein, was das Wohngebiet als Armutsquartier prägte. Kleinräumige soziale Daten stehen uns nur wenige zur Verfügung. Kinder und Jugendliche sind im Sonnenland zahlenmäßig über-, 60jährige und ältere unterrepräsentiert. Der Ausländeranteil beträgt ins- gesamt 25,2 %, bei den unter 21jährigen 28,7 %.

Aus den Zahlen auf Ortsamtsebene, verbunden mit der Tatsache, dass das Sonnenland Brenn- punkt im Brennpunkt ist , lässt sich vermuten, dass nahezu 50 % der Bevölkerung von Transferleistungen wie Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe, Arbeitslosengeld, Wohngeld ganz oder teil- weise lebt, dass jedes zweite Kind unter 7 Jahren, und jedes/r dritte Kind bzw. Jugendliche zwischen 7 und 18 Jahren in Familien groß wird, die Sozialhilfe beziehen. Bei den Neuzuzügen aufgrund von Fluktuation 1995 ( 73 Haushalte entsprechend 7,9 % des Gesamtbestandes) waren 36,1 % MigrantInnen, 59,7 % gaben als Einkommensart Sozialhilfe oder AFG- Leistungen (51,4 % Sozialhilfe und 8,3 % AFG) an.

Die soziale und die geographische Randlage des Sonnenlandes decken sich und haben ent- scheidende Auswirkungen auf die geringen Teilnahmemöglichkeiten der hier wohnenden Menschen am gesellschaftlichen Leben. In der durch die Boulevardpresse geprägten öffentlichen Meinung erscheint das Sonnenland als „Bronx der Freien und Hansestadt Hamburg“ und als „Ghetto der Hoffnungslosigkeit (in dem die Kinder – d.Verf.) von der Gesellschaft ausgegrenzt“ werden.

2. 40 Jahre Stadtteilprojekt Sonnenland 1967 – 2008

1967 entdeckten Studenten das Sonnenland als Feld für Randgruppenarbeit und riefen den Trägerverein ins Leben. Unter dem Tenor „Student hilft Rocker“ wurde aus Wohnungen heraus „Rockerarbeit“ gemacht. Anfang der 70er Jahre wurde für die Arbeit eine alte Bauernkate am Rande der Siedlung angemietet. Jugendgaststättenbetrieb und Disco sorgten bald über Billstedts Grenzen hinaus für einen legendären Ruf der „Rockerkate“. Nach mehrfacher Zerstörung der Inneneinrichtung und zahlreichen Schlägereien wurde das Gründerkonzept 1972 abgelöst und eine Orientierung hin auf Gemeinwesenarbeit (GWA) in ersten Schritten umgesetzt. Über altersübergreifende Angebote und Elternarbeit wurden Bewohner- Innengruppen initiiert, die in inhaltlicher Prägung und z.T. in personeller Zusammensetzung auch heute noch existieren.

9 Jahre nach der ersten öffentlichen finanziellen Förderung der Jugendarbeit, mit 2 Sozialpädagogen-Planstellen, kommt über eine Förderung der Robert-Bosch-Stiftung die Erweiterung der Arbeit im Bereich der Unterstützung und Begleitung von SchülerInnen beim Übergang von der Schule zum Beruf hinzu, die seit 1984 in die Förderung durch den Landesjugendplan aufgenommen wurde.

Für den Zeitraum 1994 bis 97 konnte eine Förderung aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes für eine Vertiefung dieses Arbeitsbereiches erreicht werden.

Mit der Errichtung eines Gemeinschaftshauses Mitte 1991 konnten die drei dezentralen Stützpunkte des Projekts (Jugendkate, Stadtteilbüro in der Ladenzeile und Projekt Übergang Schule/Beruf) mit den Möglichkeiten inhaltlicher Verzahnung und kooperativer Arbeitsformen in einem Gebäude integriert werden. Die Gemeinwesenarbeit mit differenzierten Angeboten geht seit 1991 von diesem Gemeinschaftshaus aus und ist in vier Arbeitsschwerpunkten angelegt :


  1. Kinderbereich mit offenen Angeboten, sozialer Gruppenarbeit, Musikarbeit, Mädchenarbeit, Bastelangebote, Sportangebote, Hausaufgabenhilfe, Psychmotorik-Angebot, Mutter-Kind- Gruppe in der Kinderetage „Neue Kate“.
  2. Jugendarbeit und das Projekt Übergang Schule / Beruf mit offener Jugendarbeit, Hilfen für SchülerInnen, SchulabgängerInnen, Auszubildenden und arbeitslosen Jugendlichen, berufsorientierendem Unterricht, Beratung und Aktivitäten zu Fragen beruflicher und schulischer Ausbildung, zu Problemen der Arbeitswelt, Jobprojekt, Computerkurse, Sportliche Aktivitäten
  3. Das Stadtteilbüro mit Beratung und Hilfen bei persönlichen und Familienproblemen, bei Schwierigkeiten mit Behörden (z.B. Sozial-, Wohnungs- und Arbeitsamt, Wohnungsgesellschaft) und für ausländische Familien (Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis etc.).
  4. BewohnerInnengruppen unterschiedlicher Art, in denen sich SonnenländerInnen zusammengefunden haben (Mietervertretung Sonnenland, Mietergruppe „Sonnenstrahl“, Frauengruppe, SeniorInnengruppe, Sparclubs, Musikbands, Fußballverein). Im Mittelpunkt stehen geselliges Nachbarschaftsleben, Aufgreifen von MieterInnensorgen, Ausfahrten, Feste und kulturelle Veranstaltungen.

Landesamt für Statistik, 31.12.95
Armutsbericht 1992, Datenhandbuch der FHH
Statistik der Wohnungsbaugesellschaft SAGA
Bild am Sonntag, 23.2. 1992
Stern, Nr.11/1995
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